Kathrin Mahler Walther - Montagsdemonstrationen und Friedensgebete
Zum Anschauen des Videos benötigen Sie Javascript oder Flash
Abschrift
Es gab zwei Wochen im Jahr, da konnte man einfach so nach Leipzig reisen, ohne sich das vorher genehmigen zu lassen, weil da nämlich Leipziger Messe war. Das war unsere Gelegenheit. In der Zeit gab es ganz viel internationale Prominenz, aber eben auch Journalist_Innen, die in Leipzig waren. Und das hat uns tatsächlich von allen anderen Städten in der DDR unterschieden. Die beiden Messe-Montage waren auch immer die Momente, wo sich der Protest aus der Nikolaikirche heraus auf die Straße bewegt hat, wo der Startpunkt für die Montagsdemos gewesen ist. Dass wir in Leipzig diesen festen Tag etabliert haben, das war eben auch eine der Überlegungen zu sagen, wir haben keine Möglichkeit die Bevölkerung der DDR zu erreichen. Wir haben keine Zeitung. Wir haben keine andere Form, wie wir die informieren sollten. Deswegen brauchen wir einen Termin, der stetig wiederkehrt und der damit die Möglichkeit gibt, sobald man davon mal gehört hat, dort auch hinzugehen, ohne dass ich jedes Mal einen extra Flyer haben muss und ein extra Flugblatt haben muss. Und deswegen haben wir diesen Montag für Montag ganz kontinuierlich immer weiter gemacht. Auch wenn da in den ersten Jahren wirklich nur ganz, ganz wenige Menschen gewesen sind. Deswegen war das auch der Kern, aus dem heraus sich dann die Montagsdemos entwickelt haben, vor allen Dingen befördert durch die Messe-Montage. Wirklich richtig spürbar war die Veränderung an verschiedenen Punkten. Das eine war eben die Demonstration, die sich aus dem Kirchentag im Sommer 1989 heraus entwickelt hat, wo wir gemerkt haben, die Bereitschaft der Menschen sich uns anzuschließen, auch wenn sie sich nicht in Bürgerrechtsgruppen engagieren, die wächst, die ist relativ groß. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt war dann im Herbst 1989 der Messe-Montag, an dem ungefähr 25.000 Menschen losmarschiert sind nach dem Montags-Gebet. Da ist zum ersten Mal diese Gruppe von Menschen so stark angeschwollen, dass wir dann auch ein Stück des Leipziger Rings gelaufen sind. Das war ein Moment, wo man wusste, hier formiert sich gerade eine richtige Bewegung. Wenn das jetzt dieser Montag ist, wenn sich das rumspricht und das noch stärker wird, dann wird sich daraus eine riesengroße Demonstration entwickeln. Wir hatten zu dieser Zeit Besuch aus Westdeutschland, von befreundeten Gruppen aus Düsseldorf. Ich weiß noch, wir sind danach in die Lukaskirche gefahren und haben
Christoph und unserem Freund damals begeistert davon berichtet, was wir in der Innenstadt erlebt haben. Also das war ein ganz, ganz großer Moment der Euphorie.