
Revolution 89 - Oppositionszentrum Leipzig_RHG_Fak_0117
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Abschrift:
Aufruf an alle Bürger der Stadt LeipzigAufruf an alle Bürger der Stadt Leipzig
70. Jahrestag der Ermordung zweier Arbeiterführer – Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Und wieder werden tausende Werktätige verpflichtet, einer Kundgebung „beizuwohnen“, bei der die Redner die jährlich wiederkehrenden Ansprachen halten.
Beide Arbeiterführer traten für die allumfassenden politischen und ökonomischen Interessen der Arbeiterklasse ein, so auch für ein ungehindertes Vereins- und Versammlungsleben, für eine freie, ungehemmte Presse, für allgemeine Wahlen und den freien Meinungskampf. Menschen, die dieses Vermächtnis unter Berufung auf die Verfassung unseres Landes nach 40 Jahren DDR-Geschichte in Anspruch nehmen, werden immer wieder kriminalisiert.
Der Tag der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht soll uns Anlaß sein, weiter für eine Demokratisierung unseres sozialistischen Staates einzutreten. Es ist an der Zeit, mutig und offen unsere Meinung zu sagen, Schluß mit der uns lähmenden Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Lassen Sie uns gemeinsam eintreten
für das Recht auf freie Meinungsäußerung,
für die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit,
für die Pressefreiheit und gegen das Verbot der Zeitschrift „Sputnik“ und kritischer sowjetischer Filme.
Um nicht die offizielle Kundgebung in ihrem eigenen Anliegen zu stören, rufen wir Sie auf, gemäß Artikel 27 und 28 der Verfassung sich
am 15. Januar 1989 um 16 Uhr auf dem Markt vor dem Alten Rathaus
zu versammeln, abschließend ist ein Schweigemarsch mit Kerzen zu der Gedenkstätte in der Braustraße vorgesehen.
„Sozialistische Demokratie beginnt aber nicht erst im gelebten Land, wenn der Unterbau der sozialistischen Wirtschaft geschaffen ist.“
Rosa Luxemburg Ges. Werke Bd. 4, Ausgabe 1914-1919 S. 358-364
Initiative zur demokratischen Erneuerung unserer Gesellschaft